Mittwoch, 23. April 2014

Was bleibt, ist die Liebe. Und die Traurigkeit.

Der April und ich, wir versuchen es jedes Jahr auf´s Neue. Aber ich glaube, wir werden keine Freunde mehr. So sehr ich noch am Anfang des Aprils das Aufblühen der Bäum und Blumen in unserem Garten und auch überall sonst bewundere, umso schwieriger wird es zum Ende hin. Der April ist jedes Jahr sicherlich der Tränenreichste hier bei uns. Er ist ein Stück weit ein Monat des Kampfes, der Enttäuschung, der Traurigkeit. Aber auch ein Monat der Dankbarkeit, für das was wir erleben durften, was wir heute haben. Ein Monat der Demut. 

Jedes Jahr, in den Tagen vor dem 24. April, mache ich kleine Gedankenreisen, in diese Zeit zurück vor nunmehr 6 Jahren. Unvorstellbar. Ich habe meine Bücher, die ich aus meinen Aufzeichnungen aus diesem Blog gedruckt habe, ich habe das Fotoalbum aus der Aufbahrung von unserer Hebamme, aber ich schaue da nicht rein, ich habe Angst davor - irgendwie - und die Bilder, die sich in mein Gedächtnis und mein Herz eingebrannt haben, sie sind eh da. Sie brauchen nicht gedruckt zu werden. Verschiedene Situationen dieser Tage um den 24. April 2008 herum. So nah, so real, so emotional. Auch diese Angst, die einem den Hals zuschnürt, und das Herz gleich mit. Diese tiefe Traurigkeit, und das Wissen tief in einem drin, das man das Schreckliche nicht aufhalten kann, das man den Moment nicht einfangen und festhalten kann.   

Genauso geht es mir heute, am 23. April 2014, einen Tag vor diesem Jahrestag, immer wieder auf´s Neue. Ich möchte diesen Tag nicht. Ich möchte gerne den 23. April festhalten, und doch kann ich nichts tun dagegen, Er kommt einfach, dieser Tag. Und wir stehen daneben und müssen geschehen lassen was wir nicht aufhalten können. 

Schon den ganzen Morgen umgibt mich diese Traurigkeit, und ich weiß heute noch gar nicht, wie wir wohl diesen Tag verbringen sollen morgen. Morgen soll es regnen, genauso wie letzes Jahr. Genauso wie 2008. Dieses Jahr ist der 24. April an einem Donnerstag. Genauso wie 2008. Das war auch ein Donnerstag.

Heute zog es mich zu Mia, und beim Lieblings-Gärtner sah ich eine Rose, eine so wunderschöne Rose! Die sollte für Mia sein. Ich ging zu ihr, und weinte. Und das tat auch gut. Nach 6 Jahren weint man nicht mehr so oft, man ist eher oft traurig. Die Trauer und ich, wir haben uns aneinander gewöhnt.

Dieser Tage fällt es mir schwer, eine Antwort zu finden, wenn Julius auf die Fotos von Mia schaut, auf denen sie einen mit Pflastern festgeklebten Sauerstoffschlauch im Gesicht hat und er dann fragt: "Hat Mia Aua im Gesicht?"  - "Nein Schatz, die Pflaster halten einen Sauerstoff-Schlauch, damit Mia besser atmen kann." Oder wenn wir zu Mia gehen, um einen neue Kerze anzuzünden und er sagt auf einmal " Mia ist ganz traurig, weil die Kerze aus ist."

Liebe Mia, Du bist immer bei uns. Wir denken jeden Tag an Dich, und wir lieben Dich sehr. Wir hoffen, dass es Dir dort, wo Du jetzt bist, gut geht - und bitte verzeih uns, wenn wir an solchen Tagen so sehr um Dich weinen. Du fehlst uns einfach sehr, und wir bemühen uns, unser Leben hier mit diesem Verlust zu leben - und ja, da können wir uns viel von Deinem kleinen Bruder abschauen, der mit großer Sorgfalt und Genauigkeit Dein Grab mit uns bepflanzt und gießt und Unkraut zupft. Leidenschaftlich! Du bist ganz bestimmt immer da und siehst uns zu. Bis wir uns irgendwann wiedersehen. 







„Hast du Angst vor dem Tod?“
fragte der kleine Prinz die Rose.
Darauf antwortete sie:
„Aber nein. Ich habe doch gelebt,
ich habe geblüht und meine Kräfte
eingesetzt so viel ich konnte.
Und Liebe, tausendfach verschenkt,
kehrt wieder zurück zu dem, der sie gegeben.
So will ich warten auf das neue Leben
und ohne Angst und Verzagen verblühen.“

A. de Saint-Exupery

9 Kommentare:

  1. Claudia, lass Dich drücken.
    Mia hat eine wunderschöne Rose von Dir bekommen. Und doch kann sie Dir nichts leichter machen, diese Blüte ....
    alles Liebe
    Elisabeth

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  2. Die Rose ist wirklich etwas ganz besonderes und soo schön. Ich wünsche dir viel Kraft für den morgigen Tag.

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  3. In Gedanken bin auch ich heute bei euch und Mia. Ich wünsche euch viel Kraft für diesen Tag und möge euch die Sonne ein wenig Licht ins Dunkel bringen.
    Seid ganz lieb gegrüßt
    Rina

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  4. liebe claudia
    einen herzgruss möchte ich dir hier lassen und eine umarmung.
    danke dir dass du uns noch einmal fotos deiner wunderschönen tochter mia zeigst............
    im herzen nah
    christina

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  5. Alles Liebe und Sonne im Herzen
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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  6. Liebe Claudia,
    von Herzen umarme ich Dich <3 und bin in meinen Gedanken bei Euch…
    Solche Tage sollte es nicht geben…
    Deine Kicka

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  7. Die Trauer geht nie so ganz. Und das ist auch gut so. Ich glaube, wenn wir so weitermachen könnten, wie voerher, dann wäre unser Leben ohne Sinn. Ich bin eine andere, als vor der Fehlgeburt unseres dritten Kindes. Ernster, manchmal verzweifelter aber auch in der Lage, das Glück was wir mit unseren Kindern erleben dürfen als wertvoller zu erachten. Ich denke an Dich und weine mit Dir.

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  8. Ich danke Euch allen sehr für Eure lieben und mitfühlenden Worte, für Euer Dasein und Euer Mitgehen. Manchmal macht es das alles, das Leben ohne Mia, zwar nicht leichter - aber es kehrt die Gefühle insofern um, als das wir auch etwas gewonnen haben. Mitgefühl nämlich. Eigentlich nur ein Wort, aber für uns ist es viel mehr.

    Danke.

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Mia wurde im Juli 2007 geboren. Der nach 2 Tagen geäußerte Verdacht eines Chromosomendefektes bestätigte sich nach einer Woche: Mia hat das 21. Chromosom dreimal, Trisomie 21, bekannt als Down-Syndrom. Mit diesem Blog wollten wir alle Interessierten ursprünglich einladen, an Mias Entwicklung und wie sie die Welt entdeckte, teilzunehmen.

Mia verstarb am 24.04.2008 um 22.35h -nach 7-wöchigem Krankenhaus-aufenthalt- an den Folgen einer pulmonalen Hypertonie (Lungenhochdruck), wahrscheinlich verursacht durch ihren angeborenen Herzfehler, ein großer ASD II. Sie wurde nur 9,5 Monate alt. Mia`s letzte Reise kann man hier direkt nachlesen.

Auch wenn Mia nicht mehr hier ist, ist sie immer in unseren Herzen. Dieses blog bleibt solange bestehen, wie wir meinen, dass es informieren und helfen kann. Viel zu viele Menschen haben ein völlig falsches oder gar kein Bild von Menschen mit Down Syndrom. Das wollen wir ändern, so wie Mia es uns gelehrt hat.

Lilypie Warten auf Adoption Ticker