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Freitag, 19. Juni 2015

Liebe. Sehnsucht. Leben. Und Loslassen.

Loslassen konnte ich schon immer schlecht. Bereits als Jugendliche hat es mich sehr beschäftigt, dass ich Momente, Situationen nicht festhalten konnte. Das hat auch in jungen Jahren zu meinem ersten Tattoo geführt - ich wollte einen Bereich meines Lebens für immer festhalten. Auf meiner Haut. Quasi unveränderbar.

Immer wenn das Leben so schön ist, oder so traurig, wenn es eben das Leben ist - dann lässt mich das manchmal ganz schön verzweifelt zurück - weil ich weiß, dass kein Moment so wiederkommt. Deswegen schrieb ich damals alles auf hier, 1 Jahr nach Mia´s Tod, wollte ich jeden Tag mit ihr festhalten. Deswegen schrieb ich ständig in Julius´Schwangerschaft und seinen ersten Lebensmonaten. 

Loslassen. Darin musste ich mich üben.

Und so ließ ich auch mein virtuelles Zuhause hier los, das Leben nahm mich einfach mit auf die Reise, und ich tauchte ein. Aber in letzter Zeit, da gab es so viel - so vieles was ich festhalten möchte. Für einen besonderen Bereich meines Lebens kaufte ich mir also tatsächlich Anfang des Jahres eine Kladde und schrieb Briefe. Handschriftlich. Immer wenn mein Kopf vor Rauschen und Gedanken zu platzen drohte. Das hat auch toll funktioniert, aber letztlich ist es noch wieder etwas anderes.

Wie geht man um, mit einer Liebe, die manchmal so sehr schmerzt dass es das Herz zerreißt. Wie geht man um, mit der Schönheit des Augenblicks, denn man für immer festhalten will und doch nicht kann. Wie geht man um, mit dem Wissen, das nicht für immer bleibt? 

Mir fällt das sehr schwer. Bei mir wichtigen Menschen habe ich keine Gelassenheit mehr. Muss alles immer sofort erledigen, sofort sagen- dadurch habe ich schon das ein oder andere mal sehr viel Druck aufgebaut, weil ich immer denke, ich - oder der andere Mensch- könnte morgen nicht mehr da sein. Es ist mir wichtig, mein Kind abends ins Bett zu bringen, ihm zu sagen dass ich ihn liebe. Es schmerzt jeden Abend, dass ich meine Tochzer nicht ins Bett bringen kann. 

Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich mir selbst im Wege stehe, weil mir diese Dinge wichtig sind - was eigene Zeit angeht oder Freizeit- gerade was das Laufen angeht, komme ich zur Zeit zu nix. 

Aber dann, wenn ich abends neben meinem Kind im Bett liege und seinen ruhigen Atem höre, dann habe ich keine Angst. Dann tut mein Herz nicht weh, ob der verlorenen Dinge, der Momente voller Liebe und Freude in meiner Erinnerung, des Wissens dass Dinge nicht festzuhalten sind- auch wenn man es noch so sehr will. 

Es hilft nur, den Moment zu genießen, solange er währt. Und sich jeden Tag im loslassen zu üben. 

Und dankbar zu sein, dass ich Menschen kenne, die mir solch bewegende Texte zu schicken, und mich daran erinnern, was wichtig ist. Und viel wichtiger: mir zeigen, das sie an mich gedacht haben. 

Montag, 1. November 2010

Woher wüssten wir...

wie wir leben sollen, wenn wir nicht an etwas glaubten, das größer ist als wir?
Wer würde uns lehren zu leben?


Wer sagt dem Baum, wann die Zeit kommt, seine kleinen Blätter auszutreiben?

Wer sagt diesen Drosseln da, dass es warm geworden ist und sie wieder nach Norden fliegen können?


Vögel und Bäume hören auf etwas, das weiser ist als sie. Von sich aus würden sie es niemals wissen.


Oft sitze ich allein in der Wüste und schaue die Lilien an und all die hübschen kleinen rosa Blüten und frage mich: "Wer hat euch gesagt, dass es Frühling ist und dass ihr blühen sollt?"


Und ich denke und denke nach, und immer komme ich auf dieselbe Antwort. Das, was größer ist als wir, lehrt alle Lebewesen, was sie tun sollen.


Wir sind wie die Blumen. Wir leben und wir sterben, und aus uns selbst heraus wissen wir nichts.




Aber das, was größer ist als wir, lehrt uns - lehrt uns, wie wir leben sollen.



~*~ Chiraparopai ~*~



gefunden bei und geliehen von Anne Seltmann (wortperlen)

Freitag, 30. April 2010

Im Garten der Zeit wächst die Blume des Trostes


Verwaiste Eltern seit 2 Jahren, das sind wir wohl. Unser ganz persönlicher Sturm ist an uns vorübergezogen, gleichwohl er doch alles durcheinander gewirbelt hat, und man manches Mal nicht mehr wusste wo unten und wo oben war, was hell und was dunkel war - geschweige denn wann die Sonne aufgeht und wann sie wieder untergeht. Es hat uns auch nicht interessiert, wie so vieles anderes auch nicht, in der Zeit der tosenden Wellen und der Dunkelheit.

Aber irgendwann ist wohl einfach jeder Sturm vorüber, und so wie dieser Baum, der Kyrill überlebt hat in unserem Wald nebenan, so ist auch bei uns vom Leben etwas stehen geblieben, was mit der Zeit wieder anfing zu blühen und zu wachsen. Unser Leben bleibt und es heilt, auch wenn wir das anfänglich nicht glauben wollten. Wir schauen lächelnd, manchmal noch weinend um unseren kleinen Menschen, zurück. Aber meistens lächelnd. Und somit löse ich das ein, was ich vor 2 Jahren bei Mias Beerdigung gesprochen habe:


Du kannst darüber weinen, dass sie gegangen ist,
oder Du kannst lächeln, dass sie gelebt hat.

Du kannst Deine Augen schließen und beten, dass sie wieder kommt,
oder Du kannst sie öffnen und sehen, was sie zurückgelassen hat.

Dein Herz kann leer sein, weil Du sie nicht sehen kannst,
oder es kann voll der Liebe sein, die sie für Dich und andere hatte.

Du kannst sie im Herzen tragen und sie in Dir weiterleben lassen.

Du kannst weinen und ganz leer sein,
oder Du kannst tun, was sie von Dir wollte:

Dass Du lächelst, Deine Augen öffnest, Liebe gibst und weitergehst.


So soll es sein.





Man muss den Dingen

die eigene, stille ungestörte Entwicklung lassen,

die tief von innen kommt

und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann,

alles ist ausgetragen -

und dann geboren...



Reifen wie der Baum,

der seine Säfte nicht drängt

und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,

ohne Angst

dass dahinter kein Sommer kommen könnte.



Er kommt...!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,

die da sind,

als ob die Ewigkeit vor Ihnen läge,

so sorglos, still und weit.



Man muß Geduld haben

gegen das Ungelöste im Herzen

und versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben,

wie veschlossene Stuben

und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.



Es handelt sich darum, alles zu leben.

Wenn man die Fragen lebt,

lebt man vielleicht allmählich,

ohne es zu merken,

eines fremden Tages

in die Antworten hinein.



~ Rainer Maria Rilke

Samstag, 24. April 2010

Tore des Gebets

Beim Aufgang der Sonne
und bei ihrem Untergang
erinnern wir uns an sie

Beim Wehen des Windes
und in der Kälte des Winters
erinnern wir uns an sie

Beim Öffnen der Knospen
und in der Wärme des Sommers-
erinnern wir uns an sie

Beim Rauschen der Blätter
und in der Schönheit des Herbstes
erinnern wir uns an sie

Zu Beginn des Jahres
und wenn es zu Ende geht,
erinnern wir uns an sie

Wenn wir müde sind
und Kraft brauchen,
erinnern wir uns an sie

Wenn wir verloren sind
und krank in unserem Herzen,
erinnern wir uns an sie

Wenn wir Freude erleben,
die wir so gern teilen würden,
erinnern wir uns an sie

So lange wir leben
werden sie auch leben,
denn sie sind nun ein Teil von uns,
wenn wir uns an sie erinnern.

~*~

Aus "Tore des Gebets", reformiertes jüdisches Gebetsbuch
gesehen bei und geliehen von A. Seltmann.

Montag, 4. Januar 2010

I carry your heart with me

Ich trage Dein Herz bei mir.
Ich trage es in meinem Herzen.

Nie bin ich ohne es.

Wohin ich auch gehe, gehst Du meine Teure.
Und was auch nur von mir allein gemacht wird, ist Dein Werk, mein Schatz.
Ich fürchte kein Schicksal, weil Du mein Schicksal bist, mein Liebling.
Ich will keine Welt, weil Du meine Schöne, meine Welt bist, meine Liebste.

Hier ist das tiefste Geheimnis, um das keiner weiß.
Hier ist die Wurzel der Wurzel.
Und die Knospe der Knospe.
Und der Himmel des Himmels, eines Baumes namens Leben.
Der höher wächst, als unsere Seele hoffe, unser Geist verstecken kann.
Das ist das Wunder, das den Himmel zusammen hält.

Ich trage Dein Herz.
Ich trage es in meinem Herzen.


"I carry your heart with me"
~ E.E. Cummings
Mia wurde im Juli 2007 geboren. Der nach 2 Tagen geäußerte Verdacht eines Chromosomendefektes bestätigte sich nach einer Woche: Mia hat das 21. Chromosom dreimal, Trisomie 21, bekannt als Down-Syndrom. Mit diesem Blog wollten wir alle Interessierten ursprünglich einladen, an Mias Entwicklung und wie sie die Welt entdeckte, teilzunehmen.

Mia verstarb am 24.04.2008 um 22.35h -nach 7-wöchigem Krankenhaus-aufenthalt- an den Folgen einer pulmonalen Hypertonie (Lungenhochdruck), wahrscheinlich verursacht durch ihren angeborenen Herzfehler, ein großer ASD II. Sie wurde nur 9,5 Monate alt. Mia`s letzte Reise kann man hier direkt nachlesen.

Auch wenn Mia nicht mehr hier ist, ist sie immer in unseren Herzen. Dieses blog bleibt solange bestehen, wie wir meinen, dass es informieren und helfen kann. Viel zu viele Menschen haben ein völlig falsches oder gar kein Bild von Menschen mit Down Syndrom. Das wollen wir ändern, so wie Mia es uns gelehrt hat.

Lilypie Warten auf Adoption Ticker