Freitag, 13. August 2010

Eine Ansicht...wahrscheinlich ohne Chance auf Einsicht.

Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich zu diesem Thema etwas schreiben soll. Genauer gesagt, ich habe mich 2 Tage damit beschäftigt, und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich mich hier nicht zurückhalten möchte.

Eigentlich wissen wahrscheinlich nur sehr wenige Menschen, was es bedeutet, wenn ein Mensch das Down-Syndrom hat. Ich habe auch nicht wirklich viel darüber gewusst, bevor Mia zu uns kam. Jetzt gibt es aber wohl diejenigen Menschen, die trotz Nichtwissen offen und neugierig auf Neues oder Unbekanntes sind, und es gibt diejenigen Menschen, die diese Offenheit eben nicht besitzen. Es gibt wohl Menschen, die eine derart ablehnende Haltung gegen alles haben, was jenseits der für allgemeingültig anerkannten Norm existiert, dass es eigentlich kaum mehr zu ertragen ist - für eben jene die, die versuchen, auch Menschen ausserhalb der vermeintlichen Norm zu integrieren.

Ich habe mich schon oft gefragt, wie man mit Menschen umgehen soll, die eben kein Interesse an der Andersartigkeit haben, die keine Offenheit für Neues besitzen? Die einfach verkantet in teilweise altertümlichen Vorstellungen stecken, ohne jegliche Hoffnung dass da eine Einsicht kommen möge? Ich habe vor jetzt schon langer Zeit mit der wunderbaren Iko im Eltern.de-Pränatalforum einmal versucht, all den Schwangeren, die da hysterisch nach einer Pränatal-Diagnostik "Hilfe, Verdacht auf Trisomie xyz" schrieben, die schönen Dinge nahe zu bringen, die ein Kind mit sich bringt,
und dass es eben auch irgendwie nebensächlich sein kann, was es mitbringt - es ist doch das eigene Kind! Die teils ignoranten Antworten, die teils schmerzhaft (körperlich!) naiv formulierten posts dort haben mich schnellstens kapitulieren lassen. Ich konnte mit der Verbohrtheit, der Dummheit, der Ignoranz von Menschen, die wirklich keine Ahnung von Trisomien haben und sich auch nicht darauf einlassen wollten, nicht umgehen.

Und nun also lese ich bei << Sonea >> also eben über genau solche Sprüche, die da als Kommentar unter einem Video hinterlassen werden, und es verletzt mich genauso wie eben all die anderen blogger, die sich dazu bereits geäußert haben. Hinterlässt mich fassungslos und irgendwie auch ratlos....es verletzt mich genauso wie der dämliche Kommentar in Belas Blog, und zeigt wieder einmal auf, dass eben auch unliebsame Besucher in den Weiten des Internets zu uns kommen, Menschen, die nicht eingeladen wurden. Dem entgegen stehen immer auch die interessierten Menschen, die vielleicht durch Zufall oder durch Bloghopping einfach mal vorbei kommen, und das eine oder andere über Menschen oder Kinder mit Down-Syndrom dazulernen können, und positiv überrascht sind....wie oft haben wir diese Erfahrungen schon bei Veranstaltungen mit der Down-Syndrom-Marathonstaffel gemacht! Wie großartig können da Berührungsängste abgebaut werden.

Aber sehen wir dem ins Auge: Das sind die Reaktionen, die in der Allgemeinheit immer wieder auftauchen. Wie kann man dem entgegentreten?

Auch ich bin für das << bunte Leben >>,
und deswegen wird auch Mias Kuscheltier (der Hund), das von Anfang an und bis zum letzten Tag immer bei ihr war, sich einreihen in die von der Robert-Familie initierte (einfach wunderbare) Aktion:







Das Foto habe ich, nebenbei bemerkt, soeben erst aufgenommen. Da wo der Mond ist, da ist immer noch die Einbuchtung in ihrem Kopfkissen, als sie das letzte Mal dort geschlafen hat...die Nacht auf den 06. März 2008. In solchen Momenten frage ich mich immer, wie ich jemals die Kraft aufbringen soll, irgendetwas in diesem Zimmer zu verändern oder wegzuräumen. Aber das, wie gesagt, heute nur nebenbei bemerkt...


8 Kommentare:

  1. Liebe Claudia,

    als ich mich in meiner Schwangerschaft über das Down Syndrom genauer informieren wollte, habe ich auch die alten Forendiskussionen dort gelesen. Ich bin sicher nicht die Einzige, der Eure Posts dort Mut zugesprochen haben, sie bestärkt haben. Manchmal sind es eben die stillen Leser, denen es hilft und was Ihr dort gemacht habt, war gewiss nicht vergebens.

    Jeder Einsatz eines Einzelnen kann irgendwo ein kleines Stückchen bewegen, vielleicht einen Stein ins Rollen bringen.

    Die Dummheit dieses Menschen, der sich dort auf You Tube geäussert hat, hat eine Welle in Bewegung gesetzt, die er bestimmt nicht gewollt hat: Eine Welle der Sympathie und Solidarität mit Sonea und ihrer Familie, die inzwischen durch viele, viele Blogs schwappt und sich so immer weiter verbreitet.

    Ganz liebe Grüsse, Manuela

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  2. Mir fehlen ein wenig die Worte. Die Geschichte rund um das Foto und Mias Beitrag zur bunten Welt geht mir gerade sehr nah.
    Ich denke oft an Euch und das süße Sternenkind.

    Lieben Gruß
    Katharina

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  3. Liebe Claudia,
    ich habe das Foto ganz vorsichtig mitgenommen. Ich musste so weinen. Es ist wohl die Mischung aus allem. Das was Du geschrieben hast ist so tiefgehend bei mir.
    Ich würde Dir am liebsten tausend Wünsche erfüllen, und weiss, Du hast ja nur den Einen!
    Deine Zeilen kommen hoffentlich weit in die Welt...
    Gute Nacht
    Elisabeth

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  4. Liebe Claudia!

    Du, die Du Deine Mia so vermissen mußt, Dir müssen diese kranken Aussagen, diese Diskussionen über der Wert des Lebens unserer Kinder, besonders weh tun!
    Würdest Du doch alles tun, Deine Mia am Leben zu wissen!

    Ich umarme Dich.
    Barbara

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  5. Solche Menschen sind wirklich zu krank, um jemals zu erfahren, was bedingungslose Liebe ist!

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  6. Schluck!
    Am 3.8. hat die Freundin meines Sohnes noch ein Brüderchen bekommen, welche Freude!
    Aber,.......... oh, er hat auch das Down-Syndrom. Nun können sich die beiden über ihre Geschwisterchen unterhalten. Wir haben uns sehr gefreut, klar für die Eltern war es erst ein Schock, ABER sie begeben sich auf einen Weg!!!!!
    Und der Weg ist das Ziel! Ein wunderbares zudem!

    Liebe Grüße
    Heike mit Fiona

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  7. Mensch, nun sitz ich schon wieder hier und weine *nichtbösgemeint*
    Ach Claudi, ärgere dich nicht über so blöde Leute und Menschen, die blöd bleiben wollen.

    Ich habe zwei gesunde Kinder (wie ich dir schonmal geschrieben habe), aber ich hätte auch eins genommen, was eben nicht gesund zur Welt gekommen wäre. Und ein Down-Syndrom ist doch nun wirklich keine Behinderung wo die Welt unter geht. Das sind doch ganz normale Kinder. Ich versteh die Einstellung einfach nicht, wenn man das anders sieht. Wer sagt denn, dass ein "perfektes" Kind einem DIE perfekte Freude bereitet?
    Was ist denn, wenn während der Geburt etwas passiert, oder ein Unfall? Gibt man das Kind dann ab?

    Ich begreife das einfach nicht.

    Drück dich mal ganz feste.......
    Myri

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  8. liebe claudia,

    ich lese oft in deinem blog, ich habe auch viel in den äteren posts gelesen, oft habe ich einen kommentar hinterlassen wollen und immer wieder habe ich nach ein paar zeilen wieder aufgegeben... immer fühlen sich meine worte zu platt an, zu wenig gefühlvoll, nicht passend...
    auch jetzt denke ich wieder daran...
    aber ich möchte dir doch unbedingt sagen, wie nah mir deine geschichte immer schon ging und immer noch geht... das foto von dem kleinen kissen nimmt mich ganz arg mit und kein wort kann das beschreiben, was ich dir gerne alles sagen möchte...
    ab jetzt möchte ich es immer mal wieder versuchen...

    liebe grüße von kicka

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Mia wurde im Juli 2007 geboren. Der nach 2 Tagen geäußerte Verdacht eines Chromosomendefektes bestätigte sich nach einer Woche: Mia hat das 21. Chromosom dreimal, Trisomie 21, bekannt als Down-Syndrom. Mit diesem Blog wollten wir alle Interessierten ursprünglich einladen, an Mias Entwicklung und wie sie die Welt entdeckte, teilzunehmen.

Mia verstarb am 24.04.2008 um 22.35h -nach 7-wöchigem Krankenhaus-aufenthalt- an den Folgen einer pulmonalen Hypertonie (Lungenhochdruck), wahrscheinlich verursacht durch ihren angeborenen Herzfehler, ein großer ASD II. Sie wurde nur 9,5 Monate alt. Mia`s letzte Reise kann man hier direkt nachlesen.

Auch wenn Mia nicht mehr hier ist, ist sie immer in unseren Herzen. Dieses blog bleibt solange bestehen, wie wir meinen, dass es informieren und helfen kann. Viel zu viele Menschen haben ein völlig falsches oder gar kein Bild von Menschen mit Down Syndrom. Das wollen wir ändern, so wie Mia es uns gelehrt hat.

Lilypie Warten auf Adoption Ticker