Loslassen konnte ich schon immer schlecht. Bereits als Jugendliche hat es mich sehr beschäftigt, dass ich Momente, Situationen nicht festhalten konnte. Das hat auch in jungen Jahren zu meinem ersten Tattoo geführt - ich wollte einen Bereich meines Lebens für immer festhalten. Auf meiner Haut. Quasi unveränderbar.
Immer wenn das Leben so schön ist, oder so traurig, wenn es eben das Leben ist - dann lässt mich das manchmal ganz schön verzweifelt zurück - weil ich weiß, dass kein Moment so wiederkommt. Deswegen schrieb ich damals alles auf hier, 1 Jahr nach Mia´s Tod, wollte ich jeden Tag mit ihr festhalten. Deswegen schrieb ich ständig in Julius´Schwangerschaft und seinen ersten Lebensmonaten.
Loslassen. Darin musste ich mich üben.
Und so ließ ich auch mein virtuelles Zuhause hier los, das Leben nahm mich einfach mit auf die Reise, und ich tauchte ein. Aber in letzter Zeit, da gab es so viel - so vieles was ich festhalten möchte. Für einen besonderen Bereich meines Lebens kaufte ich mir also tatsächlich Anfang des Jahres eine Kladde und schrieb Briefe. Handschriftlich. Immer wenn mein Kopf vor Rauschen und Gedanken zu platzen drohte. Das hat auch toll funktioniert, aber letztlich ist es noch wieder etwas anderes.
Wie geht man um, mit einer Liebe, die manchmal so sehr schmerzt dass es das Herz zerreißt. Wie geht man um, mit der Schönheit des Augenblicks, denn man für immer festhalten will und doch nicht kann. Wie geht man um, mit dem Wissen, das nicht für immer bleibt?
Mir fällt das sehr schwer. Bei mir wichtigen Menschen habe ich keine Gelassenheit mehr. Muss alles immer sofort erledigen, sofort sagen- dadurch habe ich schon das ein oder andere mal sehr viel Druck aufgebaut, weil ich immer denke, ich - oder der andere Mensch- könnte morgen nicht mehr da sein. Es ist mir wichtig, mein Kind abends ins Bett zu bringen, ihm zu sagen dass ich ihn liebe. Es schmerzt jeden Abend, dass ich meine Tochzer nicht ins Bett bringen kann.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich mir selbst im Wege stehe, weil mir diese Dinge wichtig sind - was eigene Zeit angeht oder Freizeit- gerade was das Laufen angeht, komme ich zur Zeit zu nix.
Aber dann, wenn ich abends neben meinem Kind im Bett liege und seinen ruhigen Atem höre, dann habe ich keine Angst. Dann tut mein Herz nicht weh, ob der verlorenen Dinge, der Momente voller Liebe und Freude in meiner Erinnerung, des Wissens dass Dinge nicht festzuhalten sind- auch wenn man es noch so sehr will.
Es hilft nur, den Moment zu genießen, solange er währt. Und sich jeden Tag im loslassen zu üben.
Und dankbar zu sein, dass ich Menschen kenne, die mir solch bewegende Texte zu schicken, und mich daran erinnern, was wichtig ist. Und viel wichtiger: mir zeigen, das sie an mich gedacht haben.


Ich würde Dich nun am liebsten drücken, und ganz lang nicht mehr loslassen.
AntwortenLöschenalles Liebe
Elisabeth