Freitag, 30. April 2010

Im Garten der Zeit wächst die Blume des Trostes


Verwaiste Eltern seit 2 Jahren, das sind wir wohl. Unser ganz persönlicher Sturm ist an uns vorübergezogen, gleichwohl er doch alles durcheinander gewirbelt hat, und man manches Mal nicht mehr wusste wo unten und wo oben war, was hell und was dunkel war - geschweige denn wann die Sonne aufgeht und wann sie wieder untergeht. Es hat uns auch nicht interessiert, wie so vieles anderes auch nicht, in der Zeit der tosenden Wellen und der Dunkelheit.

Aber irgendwann ist wohl einfach jeder Sturm vorüber, und so wie dieser Baum, der Kyrill überlebt hat in unserem Wald nebenan, so ist auch bei uns vom Leben etwas stehen geblieben, was mit der Zeit wieder anfing zu blühen und zu wachsen. Unser Leben bleibt und es heilt, auch wenn wir das anfänglich nicht glauben wollten. Wir schauen lächelnd, manchmal noch weinend um unseren kleinen Menschen, zurück. Aber meistens lächelnd. Und somit löse ich das ein, was ich vor 2 Jahren bei Mias Beerdigung gesprochen habe:


Du kannst darüber weinen, dass sie gegangen ist,
oder Du kannst lächeln, dass sie gelebt hat.

Du kannst Deine Augen schließen und beten, dass sie wieder kommt,
oder Du kannst sie öffnen und sehen, was sie zurückgelassen hat.

Dein Herz kann leer sein, weil Du sie nicht sehen kannst,
oder es kann voll der Liebe sein, die sie für Dich und andere hatte.

Du kannst sie im Herzen tragen und sie in Dir weiterleben lassen.

Du kannst weinen und ganz leer sein,
oder Du kannst tun, was sie von Dir wollte:

Dass Du lächelst, Deine Augen öffnest, Liebe gibst und weitergehst.


So soll es sein.





Man muss den Dingen

die eigene, stille ungestörte Entwicklung lassen,

die tief von innen kommt

und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann,

alles ist ausgetragen -

und dann geboren...



Reifen wie der Baum,

der seine Säfte nicht drängt

und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,

ohne Angst

dass dahinter kein Sommer kommen könnte.



Er kommt...!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,

die da sind,

als ob die Ewigkeit vor Ihnen läge,

so sorglos, still und weit.



Man muß Geduld haben

gegen das Ungelöste im Herzen

und versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben,

wie veschlossene Stuben

und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.



Es handelt sich darum, alles zu leben.

Wenn man die Fragen lebt,

lebt man vielleicht allmählich,

ohne es zu merken,

eines fremden Tages

in die Antworten hinein.



~ Rainer Maria Rilke

9 Kommentare:

  1. Liebe Claudia
    ich habe Dich auf dem Blog besucht und wahrscheinlich 5 Mal Deinen neuen Eintrag gelesen.
    Jetzt habe ich alles im Herzen und da soll es auch bleiben. Du und Mia Ihr seid in mein Leben "geweht", jeden Tag denke ich an Euch.
    Eins schönes Wochenende wünscht Dir
    Elisabeth

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  2. Danke, Claudia,
    es macht mir Mut, irgendwann auch sagen zu können: "meistens lächelnd", weil ich dich auf den schweren Wegabschnitten auch erlebt habe.
    Danke auch für Rilke, immer wieder er.
    Was muss er gelebt, erlebt haben, dass er sovieles formen kann, was um uns schwebt wie Atemluft....

    Lieben Gruss, und herzlichen Dank

    Gabriela

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  3. liebe Claudia!

    Es ging mir gerade sehr ählich wie Elisabeth......

    In meinem Herzen weint es und doch zieht da schon ein feines Lächeln ein!

    Umarmung

    Christina

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  4. Es ist so unbeschreiblich weit, was Mia gibt...und Du bist das Tor, durch das sie geht.

    Ich habe lange über Deine Zeilen nachgedacht. Du hast Dich für das Leben entschieden, so wie Mia es von Dir erwartet.

    Eigene, ungestörte Entwicklung...
    nur eigen und ungestört möglich.

    Immer schön bei dir

    Barbara

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  5. Ich habe Euch heute besucht, auf Eurem Blog. Anders geht es ja nicht. Gut, dass Gedanken auf Reisen gehen können!
    Viele liebe Grüße
    Elisabeth

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  6. Die ZEIT!
    Sie geht und geht und geht und..........













    Immer die Station vor Augen, immer den Scheideweg im Sinn, und immer das spüren unseres UNENDLICHEN Glücks, genau so habe ich die Zeit bis heute empfunden, vom 24. ab, aber auch immer wieder, seit wir uns kennen!

    Danke Claudia!

    DANKE MIA!!!!!

    Liebste Grüße
    Heike mit Fiona

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  7. Danke, Claudia für Deinen Besuch. Aber auch ich habe meine Schwächen. Frag mal mein Susannchen...
    Ich wünsche Dir eine gute Nacht
    und hoffe, dass Du morgen durch den Tag begleitet wirst.
    Elisabeth

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  8. Liebe Claudia
    ich wünsche Dir ein schönes Pfingsfest.
    Elisabeth

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  9. Dein Blog ist sehr schön gestaltet.
    Ich finde die Worte echt bewegend, manchmal zum Heulen.
    Aber wichtig ist, danach wieder zum Lächeln zurück kehren zu können.

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Mia wurde im Juli 2007 geboren. Der nach 2 Tagen geäußerte Verdacht eines Chromosomendefektes bestätigte sich nach einer Woche: Mia hat das 21. Chromosom dreimal, Trisomie 21, bekannt als Down-Syndrom. Mit diesem Blog wollten wir alle Interessierten ursprünglich einladen, an Mias Entwicklung und wie sie die Welt entdeckte, teilzunehmen.

Mia verstarb am 24.04.2008 um 22.35h -nach 7-wöchigem Krankenhaus-aufenthalt- an den Folgen einer pulmonalen Hypertonie (Lungenhochdruck), wahrscheinlich verursacht durch ihren angeborenen Herzfehler, ein großer ASD II. Sie wurde nur 9,5 Monate alt. Mia`s letzte Reise kann man hier direkt nachlesen.

Auch wenn Mia nicht mehr hier ist, ist sie immer in unseren Herzen. Dieses blog bleibt solange bestehen, wie wir meinen, dass es informieren und helfen kann. Viel zu viele Menschen haben ein völlig falsches oder gar kein Bild von Menschen mit Down Syndrom. Das wollen wir ändern, so wie Mia es uns gelehrt hat.

Lilypie Warten auf Adoption Ticker