Dienstag, 12. Juli 2016

9 Jahre.



Heute ist Dein Geburtstag. 

Der 9. 

9 Jahre, fast eine kleine Ewigkeit. Wie Du jetzt wohl wärst, diese Frage formuliert sich manchmal in meinem Kopf. Und gleichzeitig sagt die Stimme in meinem Herzen zu der in meinem Kopf:"Aber das weißt Du doch!" Auch wenn ich kein festes Bild vor Augen habe, weiß ich doch irgendwie, wie Du mit 9 Jahren bist. Und ja, Du hast mich in den letzten 9 Jahren jeden Tag begleitet, Du warst immer da, wie ein schützender Umhang. Und manchmal war dieser Umhang so schwer zu tragen...und dennoch war ich froh, ihn zu haben. Jeden Tag. 

Ich kann diesen Tag visualisieren, ich kann sehen wie ich Deinen Geburtstagskuchen backe und Dich morgens wecke. Ich kann sehen, wie Du an Deinem Geburtstagstisch mit staunenden Augen die Geschenke ansiehst. Deine Geburtstagskerze leuchtet. Wir singen natürlich ein Lied für Dich. Und dann ziehen wir uns alle an, und für Dich geht es in die Schule und für den kleinen Bruder in den Kindergarten. Nachmittags kommen die Omas und die Opas und wir feiern im Garten. 

Das kann ich visualisieren. Ich kann die Geräusche hören und kann sogar die Gefühle in meinem Herzen empfangen, wenn es ganz leise um mich herum ist. Das ist meine Vorstellung. 

In der Wirklichkeit, in der wir leben, werden wir einen Luftballon von Deinem Baum aus zu Dir in den Himmel schicken, der kleine Bruder wird noch einen Kuss drauf drücken, und damit er sicher gehen kann dass der Ballon auch bei Dir ankommt, werden wir Deinen Namen drauf schreiben. Wie jedes Jahr, haben wir einen Plan. Letztes Jahr sind wir mit dem Ballon, mit der 8 drauf, nach Katwijk aan Zee gefahren und wollten ihn am Meer in den Himmel schicken. Als wir vor dem Hotel parkten und den Kofferraum öffneten, war es so dermaßen windig, dass der Luftballon direkt rausgeflogen ist und -schwups - weg war. Wenn ich an unsere doofen Gesichter denke, mit denen wir dem Ballon hinterhergeschaut haben, muss ich schon ein bisschen lachen. Es sollte dann halt wohl so sein. Es läuft halt nicht immer so, wie man es plant. Insofern - dieser Tag ist auch immer eine Überraschungstüte, und wir werden sehen was sich ergibt. 

Ist es Zufall, dass ich diesen Post tatsächlich genau zu der Uhrzeit schreibe, zu der Du geboren bist? 11.49h. Ohne, dass ich vorher auf die Uhr geschaut habe. Unsere Herzen sind an diesem - wie auch jedem anderen Tag - ganz bei Dir. Der Tag Deiner Geburt war wie ein Wirbelsturm, irgendwie. Du hast uns soviel gelehrt, dass es wohl für ein Leben reichte. 

Wir sind heute ganz nah bei Dir, und wir wissen, dass Du uns Deine Arme entgegenstreckst, wo Du auch gerade bist. Wir können das spüren. Alles Liebe, Mia. 

Wie schön, dass Du geboren bist. 





Sonntag, 24. April 2016

8 Jahre im Herzen.

Wenn sich dieser Tag so nähert, ist es immer wie eine Zeitreise. 

Die Erinnerung an die Geschehnisse vor und nach diesem 24. April 2008 sind dermaßen nah und real, dass es einem manchmal die Luft zum Atmen nimmt. Ich versuche mich dann immer auf die schönen Dinge zu fokussieren, die Liebe und die Dankbarkeit. Die Wünsche, die ich habe. Das, was ich noch erleben möchte. 

Und wenn Julius dann so wie heute morgen sagt: " Ich wünschte Mia wäre nicht im Himmel, sondern hier. Dann könnte ich immer mit ihr Fangen spielen." - 

ja, dann wünsche ich mir das auch, sehr. 

Ich weiß noch gar nicht, was wir mit diesem Tag heute so anfangen. Ich wünsche mir einfach, dass es sich alles fügen wird, irgendwie. So wie immer, in den letzten 8 Jahren. Momentan fühle ich einfach nur Leere.






















"Und die Seele unbewacht
will in freien Flügen schweben
um im Zauberkreis der Nacht
tief und tausendfach zu leben."

(Hermann Hesse)

Freitag, 18. September 2015

Mein Kletterkind.

Das Kind klettert.

Wie ein Großer! Nichts ist vor ihm sicher. Letztens kletterte er bei uns im Apfelbaum, und war glücklich! Und am Feuerwehrspielplatz klettert er ständig überall hoch und runter. Letztens war das Feuerwehrauto dran. Bis auf das Dach wollte er!


  

 

 
Auch beim Kinderturnen ist es die Sprossenwand, die ihn magisch anzieht. Bis ganz nach oben! Und dann wieder ein bisschen runter, und dann am besten in die Matte fallen lassen - großartig!

Und ich? Ich wachse an meinen Aufgaben, mein Herz schlägt nicht mehr bis zum Hals, ich übe mich in Gelassenheit, und stehe bereit um ihn aufzufangen. Und schaffe es dennoch, ihn zu ermutigen. 
Ich bin stolz. Auf ihn, auf mich.


Der 11. Hochzeitstag.

Heute sind wir nun schon 11 Jahre verheiratet. Hätte man mich vor 2 Jahren gefragt, hätte ich das nicht für möglich gehalten. Irgendwie ist ziemlich viel in falsche Richtungen gelaufen, und ich habe mich oft gefragt, ob ich so ein Leben überhaupt noch führen will. Letztlich war es Julius, der ein sehr feines Gespür hat, der in Zeiten in denen ich am meisten gezweifelt habe, immer wieder - auffällig oft - erwähnte "Mama, Papa, Julius. Wir alle zusammen.". Der kreuzungglücklich war, als ich im Frühjahr mit ihm alleine wegfuhr, nur nach Hause wollte, und mir oft sagte, dass er seinen Papa vermisste. Nun ja. Und letztlich war es auch so eine Stimme in meinem Herzen, die nicht einfach aufgeben wollte. Nach alledem was wir erlebt haben, was nur uns miteinander verbindet - und die Frage, was käme danach? Ist das besser, oder schlechter? Wie auch immer, ich hatte mir letztes Jahr zum 10. Hochzeitstag selbst versprochen zu entscheiden, ob ich die nächsten 10 Jahre auch so verbringen will, und die Antwort lautete Nein. Allerdings war es wohl so, dass wir beide uns nie zum gleichen Zeitpunkt scheiden lassen wollten, und so sind wir also immer noch hier, in der gleichen Konstellation - aber es hat sich viel geändert. Verhaltensweisen. Angewohnheiten. Ja, eine Ehe ist Arbeit. 


Aber heute, heute lassen wir es uns gut gehen. Ich bekam einen schönen Strauß Blumen, ich schenkte dem Gatten Karten für Stoppok heute abend, und die Schwiegererltern sind so lieb und passen auf Julius auf. Wir gingen in die Stadt frühstücken und shoppen, und dann erledigte jeder ein bisschen seinen Kram. Ich fuhr zu meinen Eltern, brachte Mia eine kleine Kerze und sprach etwas mit ihr, gleich hole ich Julius aus dem Kindergarten ab, und dann werden wir ein bisschen im Garten brötscheln.





















Die Sonne scheint. Wie vor 11 Jahren!




Donnerstag, 17. September 2015

Mittlerweile im zweiten Monat im Kindergarten

Der zweite Kindergartenmonat, der September, ist nun bald um, und ich glaube so langsam findet sich der kleine Prinz ein. Es war ab der dritten Woche sehr, sehr schwierig - und ich mochte das gar nicht festhalten, weil es mich selbst sehr beschäftigt hat- Ich glaube, als Julius realisierte, dass er nun immer in den Kindergarten geht, fand er es richtig blöde. Die großen Jungs und die Lautstärke bzw. Gruppenstärke haben ihm wohl richtig zu schaffen gemacht, er hatte zwischendurch richtig Angst, weil er die Kinder nicht kannte und sich nicht traute, den Erzieherinnen Bescheid zu sagen, wenn ihn jemand gehauen hatte oder anderes. Oder aber er traute sich, und sagte es dann so leise, dass es natürlich niemand hörte. Das sagte er zumindest selber so.

Zwischendurch wurde er nachts wach und schrie hysterisch "bitte bring mich nicht in den Kindergarten!!" - und schlief dann wieder ein. Einen Abend sah er ganz nachdenklich zur Zimmerdecke hoch und sinierte "Mama, ich glaube das wird nichts mit dem Kindergarten. Ich kann mich einfach nicht eingewöhnen." - ich war fassungslos, über seine Ausdrucksweise ;-) Eigentlich jeden Morgen war es ein regelrechtes Drama, er schrie schon morgens nach dem Aufstehen und bis zur Abgabe im Kindergarten. Immer wenn ich dann später anrief, sagte man mir er habe sich nach 10 Minuten sehr schnell beruhigt und alles war gut. Das kenn ich auch so, von der Tagesmutter. Dort war es ja auch so anfangs. Nun ja. Letzten Freitag war der erste Waldtag, und als ich mit Julius zum Treffpunkt kam, kamen 4 Kinder auf uns zugelaufen und riefen "Julius, Julius, da ist Julius!". Ich war erstaunt, er grinste nur verschmitzt, und ich dachte mir "dann kann es ja so schlecht nicht sein mit seinen Kontakten im Kindergarten!". Ich besprach mich noch einmal mit seiner Tagesmutter, und sie bestärkte uns aber auch noch einmal, dass wir da einfach durchmüssen. Ich habe Vertrauen in den Kindergarten und die Erzieherinnen, und versuche einfach sein Selbstbewußtsein zu stärken und den Kindergarten einfach Alltag sein zu lassen. Wir sprechen also nicht mehr andauernd darüber, sondern erzählen uns quasi nebenbei, wie unser Tag so war. Das klappt eigentlich ganz gut. Das Abgeben morgens haben wir besser im Griff, seitdem ich Julius morgens ein Herzchen auf den Arm male, und ihm sage, dass er das Herzchen ansehen soll wenn er mich vermisst - und das ich dann an ihn denke. Und, ich habe ihn gebeten, mir immer etwas mitzubringen, wenn er draussen spielt, einen kleinen Stein oder Zweig. Das macht er auch sehr fleißig, und ich glaube das ist eine gute Sache. Und natürlich muss er mir immer oben am Fenster winken, dann klappt es ganz gut mit dem Abschied.

Ansonsten hatten wir in den ersten 6 Wochen 2 fiese Erkältungen, einmal Kopfläuse und jetzt gerade Hand-Fuß-Mund-Erkrankung in der Gruppe. Das brauchten wir nicht! ;-)

Mittwoch, 16. September 2015

Sätze mit Herz im vierten Lebensjahr :-)

"Mami, ich möchte Dir etwas sagen. Ich wünsche Dir einen schönen Tag bei der Arbeit!" - morgens auf dem Weg zum Kindergarten.

"Damals, als ich noch ganz klein war, soooooo mini-klein, da hatte ich noch nicht so viel gegessen, aber jetzt, jetzt werde ich immer größer, weil ich so gut esse! Heute im Kindergarten habe ich 18 Portionen Hühnersuppe gegessen!"

"Die Arbeit heißt Arbeit, weil man da arbeitet."

[to be continued]
Mia wurde im Juli 2007 geboren. Der nach 2 Tagen geäußerte Verdacht eines Chromosomendefektes bestätigte sich nach einer Woche: Mia hat das 21. Chromosom dreimal, Trisomie 21, bekannt als Down-Syndrom. Mit diesem Blog wollten wir alle Interessierten ursprünglich einladen, an Mias Entwicklung und wie sie die Welt entdeckte, teilzunehmen.

Mia verstarb am 24.04.2008 um 22.35h -nach 7-wöchigem Krankenhaus-aufenthalt- an den Folgen einer pulmonalen Hypertonie (Lungenhochdruck), wahrscheinlich verursacht durch ihren angeborenen Herzfehler, ein großer ASD II. Sie wurde nur 9,5 Monate alt. Mia`s letzte Reise kann man hier direkt nachlesen.

Auch wenn Mia nicht mehr hier ist, ist sie immer in unseren Herzen. Dieses blog bleibt solange bestehen, wie wir meinen, dass es informieren und helfen kann. Viel zu viele Menschen haben ein völlig falsches oder gar kein Bild von Menschen mit Down Syndrom. Das wollen wir ändern, so wie Mia es uns gelehrt hat.

Lilypie Warten auf Adoption Ticker