Sonntag, 25. April 2010

Der Lebens-Lauf

Ihr lieben Weggefährten, ich danke Euch so sehr für Eure Kommentare, Nachrichten, e-mails, für all Eure Gedanken und Gefühle, und das Mitteilen dieser. Unser Tag gestern war hell und unglaublich. Wir waren sehr früh gemeinsam bei Mia, um mit ihr Zwiesprache zu halten, bevor der Tag voll ausgefüllt war...
Damals, als Mia gestorben ist, war der einzige Tag an dem unser Kardiologe nicht im Krankenhaus sein konnte. Es war eine große Laufveranstaltung in unserer Heimatstadt, da nahm er teil und führte einen blinden 24h-Läufer um einen wunderschönen See herum. Die Laufveranstaltung ist ein 24h-Lauf, beinhaltet aber auch einen 12h und einen 6h-Lauf und man kann als freier Läufer in diesen 24h laufen, wann man will.

Vor einem Jahr fiel diese Laufveranstaltung nicht auf den 24.4., aber auf den 25.4., und dort bin ich an diesen 24h als freier Läufer 21km gelaufen. Und habe den Kardiologen und seine wunderbare Frau wiedersehen dürfen, und gemeinsam waren wir in Gedanken und Gessprächen bei Mia. Ein Freund von mir lief letztes Jahr seinen ersten 6h-Lauf, und aus Jux sagten wir vor einem Jahr, dass er nächstes Jahr den 12h-Lauf angeht, und ich die 6h.

In diesem vergangenen Jahr hatte ich die Möglichkeit, das Laufen unter anderen Gesichtspunkten zu betrachten, das Laufen im Wald hat mir mir gegeben als jede Therapie, die ich machen konnte, um dem Tod unserer Tochter nachzuspüren. Nicht aber das leistungsorientierte Laufen, immer schneller, Zielzeiten einhalten, usw., vielmehr das sich im Laufen verlieren, das Langsame. Ich habe soviel gelernt über mich, während des Laufens, habe zur Ruhe gefunden, zum inneren Gleichgewicht.

Durch das intensive Vorbereitungstraining auf das Berliner Mauerwegslaufprojekt zum Welt-Down-Syndrom-Tag war der Grundstein für mich gelegt, und als ich sah, dass die heimische Laufveranstaltung dieses Jahr genau auf den Todestag fallen würde, war es mir eigentlich klar wo ich diesen Tag verbringen musste.

Der Organisator hatte letztes Jahr schon den Laufclub eingeladen, und als er auch beim Mauerwegslauf mitlief war auch Anita`s Interesse geweckt, und so kam sie kurzehand aus Fürth, um am 12h-Lauf teilzunehmen. Die fantastische Sanne hat sofort zugesagt, um den Tag und die Bedeutung wissend, mit mir die 6h zu laufen. Und mein Bruder, der Großartige, ist auch einfach mal die 6h mitgelaufen. Andreas, der letztes Jahr die 6h lief, lief wie ausgemacht, die 12h und so hatte Anita auf den letzten 6 Stunden ebenfalls noch bekannte Gesellschaft, obwohl man bei diesen Laufveranstaltungen ja immer Unterhaltung findet. Der Ehemann war auch da, um uns abzuklatschen und anzufeuern.

Dieser Tag gestern hätte besser nicht sein können. Ich dachte an Grenzen zu gelangen, aber ich habe festgestellt, dass ich zu weitausmehr fähig bin. Nein, ich bin mit diesem ersten 6h-Lauf, der für mich über eine knappe Marathondistanz ging, nicht an meine Grenze gestossen- denn ich hatte die liebsten, besten Menschen um mich herum, die mich getragen haben und motiviert haben. Es war so unglaublich leicht. Es war so viel Mia da. Die Sonne schien hell, und alles lief von alleine. Es gäbe so viel zu sagen, soviele Erkenntnisse, soviel Verstehen- aber eigentlich ist es nicht in Worte zu fassen.

Ich glaube, ich bin angekommen.
Gestern nach 6 Stunden.



Am Ziel.

Mit der Nummer 21 der 6h-Läufer.

5 Kommentare:

  1. Liebe Claudia, es ist schön zu lesen, daß Ihr den Tag gestern so verbringen konntet. Und immer ist Mia dabei. Das war auch mein erster Gedanke als ich gestern früh aus dem Fenster sah. Mia läßt die Sonne heute besonders hell scheinen. Ich gratuliere Dir zu Deinen fantastischen 6 Stunden. Danke auch für Deine lieben Worte, die mir natürlich wieder die Tränen in die Augen getrieben haben. Fühl Dich lieb gedrückt und sei lieb gegrüßt, Yvonne

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  2. Claudia,

    Congratulations on finishing your marathon! I am so proud of you. So I wanted to read about your experience so I copied and pasted your last post into google translator and just realized that your little girl passed away. What a special way to honor her by being about to complete such an amazing thing on the day you lost her. I wish I knew German and could read your whole blog...the translators don't do the best job. Your little Mia is beautiful and I am so sure she was there with you yesterday, carrying you along. Thinking of you and your family.

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  3. Jeana,

    thank you for your kind words. I will write you an email with some more info about my experience, and how it all went. It was just great!

    Talk to you soon!

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  4. Hallo Claudia,

    schön, dass du diesen besonderen Lauf genießen konntest und "angekommen" bist.
    Glückwunsch aber auch zur sportlichen Leistung!

    Gruß
    Stefan

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  5. Ich bin immer wieder froh zu lesen, wie viel kraft und ruhe du in deinen beiträgen vermittelst.

    ich freu mich für dich, ganz ehrlich.

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Mia wurde im Juli 2007 geboren. Der nach 2 Tagen geäußerte Verdacht eines Chromosomendefektes bestätigte sich nach einer Woche: Mia hat das 21. Chromosom dreimal, Trisomie 21, bekannt als Down-Syndrom. Mit diesem Blog wollten wir alle Interessierten ursprünglich einladen, an Mias Entwicklung und wie sie die Welt entdeckte, teilzunehmen.

Mia verstarb am 24.04.2008 um 22.35h -nach 7-wöchigem Krankenhaus-aufenthalt- an den Folgen einer pulmonalen Hypertonie (Lungenhochdruck), wahrscheinlich verursacht durch ihren angeborenen Herzfehler, ein großer ASD II. Sie wurde nur 9,5 Monate alt. Mia`s letzte Reise kann man hier direkt nachlesen.

Auch wenn Mia nicht mehr hier ist, ist sie immer in unseren Herzen. Dieses blog bleibt solange bestehen, wie wir meinen, dass es informieren und helfen kann. Viel zu viele Menschen haben ein völlig falsches oder gar kein Bild von Menschen mit Down Syndrom. Das wollen wir ändern, so wie Mia es uns gelehrt hat.

Lilypie Warten auf Adoption Ticker